Ben Maier
Creative, photographer & visual economist
hi[at]benmaier.photography



Zeit in Bildern


Experimentelle Fotografie - gebaut aus Geschichte

Kollaboration mit Ronja Hermann.
Dieses Projekt wurde für das Freilichtmuseum Neuhausen ob Eck konzipiert und realisiert. 2024-2025







Wie wirkte wohl die Atmosphäre der Museumsgebäude auf Fotos im 19. Jahrhundert? Das zeigen Ronja Hermann und Ben Maier mit ihrem Projekt Zeit in Bildern.

Dafür konstruierten die beiden Kunstschaffenden Lochkameras aus historischen Alltagsgegenständen wie einem Butterfass aus Holz oder einer Teedose aus Blech. Lochkameras gehören zu den ursprünglichsten fotografischen Techniken. Durch ein winziges Loch wird die Außenwelt auf ein lichtsensitives Material in einer dunklen Kammer projiziert und über einen längeren Zeitraum belichtet. Es entsteht ein Foto. Während der Museumssaison 2024 wurden die in Lochkameras verwandelten Objekte auf dem Gelände des Freilichtmuseums positioniert. Die Belichtungszeiten der Fotografien reichen von 10 bis 230 Tagen. 

Es sind Werke entstanden, die als verdichtete visuelle Spuren des Vergangenen gelten. Die experimentellen Langzeitbelichtungen geben neue Perspektiven auf das Museum und setzen es gestalterisch in den Kontext von früher.











Zeit | Bild | Museum


von Christof Heppeler, Kulturwissenschaftler

Das ist die Bauanleitung für „Zeit in Bildern“: Ronja Hermann und Ben Maier entnehmen einer Lebenswelt Alltags-Dinge, bauen sie um – zu Lochkameras – und fügen sie dieser Lebenswelt wieder ein. Die Lochkamera-Ding-Objekte fallen nicht in den Blick, weil sie an ihrem Lebensweltplatz zu alltäglich sind. Und sie tun, was sie tun sollen. Fotografieren. Langzeitbelichtung. Pro Objekt eine (1) Fotografie.

Eines muss man wissen. Die so abgelichtete Lebenswelt ist nicht lebendig. Sie ist zwar vollständig. Jedes Ding sitzt an seinem Platz. Bäuerliche Lebenswelt am Albrand – ein Freilichtmuseum. Die Lebenswelt ist aber 1. vergangen und 2. museal rekonstruiert.

Menschen und Momente bleiben den Bildern fern. Sie sind zu schnell „vorbei“. Dafür falten die Lochkameras die Tage und die Nächte mit ihren beharrlichen Veränderungen über- und ineinander - in einem Tempo, das dem menschlichen Auge verborgen bleibt. Wir sehen nun eine Welt, die wir so nie sehen und nie zu sehen bekommen. Eine Welt, die uns nicht braucht. Wir sehen eine archaische Welt, die aus sich heraus auf archaische Weise festgehalten wurde. Und, entscheidend: dies alles in der Jetztzeit.

Der minimalistische Titel „Zeit in Bildern“ zeigt sich hiermit als ebenso vielschichtig wie die Bilder selbst. Als habe man mit den Mitteln der Kunst die Idee des Museums auf das Museum selbst angewandt. Unser Blick wird seiner Selbstverständlichkeiten entwöhnt und bewegt sich, gerade weil sie nicht vorkommen, nahe ran an die Leute. An die Leute von früher und an die Leute, die wir selber sind.
















Die Kameras


Insgesamt wurden 83 Kameras gebaut.






Ausstellungsansichten